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    Stefan Rocker
    2009

Der

Todeszug




Jeden Tag beginnen Tausende junger Menschen eine Reise, die sie aus ihrer Heimat in Zentralamerika durch Mexiko führt. Das Ziel: die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Migranten nennen den Güterzug, auf den sie aufspringen, den „Todeszug“.

Kein noch so großes Risiko bringt sie davon ab, ihr Glück zu suchen. Viele verunglücken, verlieren ihre Beine unter den Stahlrädern der Waggons. Manche werden von Jugendbanden überfallen, ausgeraubt und nicht selten vom fahrenden Zug geworfen. Jedes Jahr sterben Dutzende Menschen auf dem Weg ins vermeintliche Paradies.

Alex aus Honduras ist Maurer, 22 Jahre alt. Er vertrieb sich die Zeit auf den Waggons mit Singen.


"

"O schönes Mexiko. Wieviel hab ich gelitten. Dich ohne Papiere zu durchqueren ist verdammt hart. Fünftausend Kilometer legte ich zurück und an jeden einzelnen erinnere ich mich. Sie sagten mir, es sei am besten, in Arizona die Grenze zu überqueren. Ich hatte den Mut, mitten durch die Wüste zu gehen. Zum Glück gab es 'Juan der Mexikaner', der mich vor dem sicheren Tod rettete."

"
Santa Muerte

Die Schutzgöttin der

Gauner



In einer kleinen Straße im Herzen der Millionenmetropole Mexiko versammeln sich ihre Verehrer: Dubiose Gestalten, die eine Figur anbeten, die sie die „Heilige Frau Tod“ nennen, ihre "Braut", "Jungfrau" oder einfach auch nur die „Dünne“.

Sie ist ein Skelett, eine Sensefrau; mal mit buntem, mal mit weißem Kostüm bekleidet. Ihr Altar in einer beliebten Ecke im Gaunerviertel Tepito inmitten des größten Schwarzmarktes von Lateinamerika wird liebevoll gepflegt und viel besucht – von Anhängern und selbsternannten Priestern eines obskuren magischen Kultes, der im ehemaligen Aztekenreich immer mehr um sich greift.



Die „Santa Muerte“ gilt als Schutzgöttin der Autoknacker, der Diebe, Prostituierten und Drogenhändler. Kurz: der Unterwelt.
Juchitán



Die

Stadt

d
er starken Frauen


Der Goldschmuck, den sie auf Festen tragen, ist so mächtig und imponierend, wie ihre Trägerinnen selbst. Frauen tanzen vorwiegend miteinander. Um sich zu vergnügen brauchen sie nicht unbedingt ihre Ehemänner. Sie sind überaus trinkfest und keinem noch so derben Scherz abgeneigt. Und wenn sie feiern, geht das bis tief in die Nacht.

Juchitán, an der mexikanischen Pazifikküste im Südosten Mexikos gelegen, ist die Stadt der starken Frauen. Diese beherrschen die lokale Wirtschaft und die Märkte und halten auch Zuhause das Geld zusammen.
In Juchitán werden Homosexuelle "Muxe" genannt. Für viele Frauen bedeuten sie eine Art Lebensversicherung. Die meisten Muxes verlassen das Elternhaus nicht, versorgen im Alter vor allem die Mutter. Diese wünschen sich nicht selten eine Muxe als Kind, statt eines dieser eher nichtsnutzigen Geschöpfe: ein Mädchen oder ein Junge.

Camila, Muxe
“Wir sind uns unseres eigenen Wertes bewusst. Und wir haben keine Scheu in der Öffentlichkeit zu zeigen, wie wir sind.
Manchmal gibt es in den Straßen einen regelrechten Schönheitswettbewerb zwischen uns Muxes. In Juchitan fühlen wir uns frei.“
Lebendig und Stolz:

D
ie Maya



Nur eine gute Weberin, so sagen die Frauen in den Bergen Chiapas, tauge für die Ehe. Lediglich vom Feld, das der Mann bewirtschaftet, könne kaum eine Familie leben. Die Stoffe, die Rosa Gomez fertigt, sind dicht und dick gewebt. Sie wärmen ausgezeichnet.


C
hamula




In der rauen Berglandschaft von Chiapas kann es manchmal unangenehm kalt werden. Und trotzdem vergeht kaum ein Wochenende ohne Fest und Feuerwerk. Sie sind eine Mischung aus religiösem Kult und weltlichem Spaß. Immer finden die Feierlichkeiten vor einer Kapelle oder einer Kirche statt. Ein „Stier“ jagt mit Feuer und Flamme Puppen vor sich her. Die grotesken Masken verkörpern die Politiker aus dem fernen Mexiko-Stadt, über die sich die Chamula lustig machen. Für die politische weiße Klasse im Land haben sie nur Spott und demonstrative Verachtung übrig.


Z
apatisten




Allein in Chiapas leben etwa eine Million Abkömmlinge der Maya. Nicht selten verstehen sie sich untereinander nicht, da sie verschiedene Maya Sprachen sprechen und unzählige Dialekte, je nach Region und Dorf. Dann wird auf den Märkten auch mal spanisch geredet. 1994 griffen einige Maya in den Berg-Dörfern zu den Waffen. Sie kämpften für mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmng: Die Geburtsstunde der indianischen Rebellenbewegung der „Zapatisten“. Inzwischen ist es aber wieder ruhig geworden in den Bergen von Chiapas.

Die Zeit sei auf ihrer Seite, glauben viele politisch aktive Maya. 500 Jahre hätten sie den Weißen widerstanden, was zählten da ein paar Jahre mehr. In einigen Regionen haben die Zapatisten, die in der Öffentlichkeit vermummt auftreten, eine Art direkte Demokratie eingeführt. "Caracoles", Schneckenhäuser, nennen sie ihre Gemeinwesen. „Hier befiehlt das Volk und die Regierung gehorcht“ – der nicht ganz Ironie freie Leitspruch.


 Lakandonen




Sie nennen sich Hach Winik, die „wahren Menschen“ und sie sehen sich als die eigentlichen Nachfahren der ersten Maya. Die Lakandonen haben vor Jahrhunderten den spanischen Eroberern die Stirn geboten und sich schließlich immer weiter in den Urwald der Tiefebene Chiapas zurückgezogen. In einem alten Kanu verrührt Chan K'in Wasser mit wildem Honig. Baumrinde, verschiedene Kräuter und Gewürze werden zugefügt. Nach ein zwei Tagen entsteht ein stark berauschendes, alkoholisches Getränk. Das "Balché". Es dient als Opfergabe für die Götter und zugleich als Medium für die Erdbewohner, mit den Geistern zu kommunizieren.

Antonio Martínez Chan K’in
„Nur einige Alte wissen, Balché zuzubereiten. Die jungen Leute haben davon keine Ahnung. Es gibt ein Geheimnis bei der Herstellung, das nur Eingeweihte kennen. In deinen Gebeten mußt du auch noch bei der Schildkröte, der Schlange und der Eidechse um  Erlaubnis nachfragen, ob du überhaupt Balché produzieren darfst.“




S
chamanin





Wenn Maria Prudencia vor ihrem Altar betet, dann zählt sie zuerst die katholischen Heiligen auf und dann all die Maya-Götter, die sie kennt. Wie die meisten Schamanen in Yucatan wurde auch Maria Prudencia einst im Traum von einem Geist besucht und zu einer spirituellen Führerin berufen. Heute bittet sie mit einigen ihrer Anhänger auf einem Feld um Regen. Die wichtigste Aufgabe eines jeden Zauber-Priesters. Sie ruft die Kobolde, Geister und Gottheiten bei ihren wirklichen Namen.

Maria Prudencia, Schamanin
„Ich arbeite mit den Kräften und Wesen zusammen, die immer noch in unseren alten Kultorten, den heute zerfallenen Pyramiden und Tempeln, wirken.“
Veracruz:  Good

 Vibrations


Danzón



 



Die Bewegungen sind ruhig, elegant und voller Gefühle. Eine melancholische, fast sehnsüchtige Stimmung ergreift Musiker und Tänzer.

Gabriel Carillo

„Wenn du nicht tanzen willst,dann kannst du Veracruz vergessen. Alle tun es hier.“

Veracruz, im Südosten Mexikos, ist eine quirlige, tropisch schwüle Hafenstadt, deren Atmosphäre brickelnd mit Musik aufgeladen ist. Singen und Tanzen, das ist in Fleisch und Blut eines jeden „Jarochos“. So werden die Bewohner des mexikanischen Bundesstaates Veracruz genannt. In den Abendstunden füllen sich die kleinen Plätze der Hafenstadt mit Menschen, die sich dem „Danzón“ hingeben. Ein mexikanischer Salontanz, der in Veracruz unter freiem Himmel zelebriert wird.

Son Jarocho

"

"Der Danzón ist die Seele von Veracruz, der ‚Son Jarocho’ aber das Herz"behauptet Graciana Silva. Die Menschen nennen sie liebevoll: „Negra“, die Schwarze.

Ihre Karriere fing mit 10 Jahren an, als ein blinder Lehrer ihr das Harfen spielen beibrachte. Wenig später schon zog sie mit ihrem Bruder und ihrem Vater über sämtliche Dorffeste im Bundesstaat Veracruz, um das Einkommen der Familie zu verbessern.

Mittlerweile hat sie ihr artistisches Spiel auf der Harfe zu einer landesweiten Berühmtheit gemacht. Vor allem mit „Graciana La Negra“ verbindet sich der „Son Jarocho“, die populärste „Volksmusik“ ganz Mexikos. 


Son Huasteco

"

Don Heraclio ist ein anerkannter Musiklehrer, eine Respektsperson, ein Geschichtenerzähler und Schamane. Wie kaum einer beherrscht er die Violinie. Mit Melodie und Rhythmusgitarre zusammen bilden sie das typische Trio der Huapango-Musik.

Nur selten noch wird in der Mutter-Sprache, der Indio Sprache Nahuatl, gesungen. Dann klingt die Musik der Einheimischen melancholisch, als beschwerte sie immer noch der Schmerz darüber, wie ihre Vorfahren unter den spanischen Eroberern leiden mussten.
Narcoballaden für die Drogen-Bosse







"


In Culiacán haben sich die Menschen an das tägliche gewaltsame Sterben gewöhnt. Drei vier Tote am Tag, das ist fast keine Nachricht mehr. In den Straßen und Kneipen warten "Chirrines", kleine Musikgruppen, auf ein schnelles Engagement. Sie sind Spezialisten in Sachen Drogenballaden, die sie für ein paar Pesos vortragen. Richtig Geld machen sie nur, wenn sie von einem Boß eingeladen werden. Culiacán ist Sitz des mächtigen Sinaloa-Drogenkartells.

 „Manchmal treten wir auf deren privaten Festen auf. Warum denn nicht. Wir singen ja nur. Dafür werden wir bezahlt. Außerdem gehen wir auch ein großes Risiko ein. Es könnten ja Feinde des Gastgebers mit ein paar Pumpguns erscheinen oder sogar die Polizei. Es ist nicht ungefährlich, bei den Dealern zu singen.“

"Ich bin der Boß der Bosse, sie respektieren mich auf alle Ebenen.
Mein Name und mein Gesicht ist in keiner Zeitung zu sehen.
 Die Mafia stirbt  nie"

"


                                                                                                                                                                           

"Malverde", der Schutzpatron der Marihuanapflanzer und                         Ein junger Mann, erschossen am Wegrand gefunden, Kokainschmuggler, Killer und Drogenhändler, hat eine eigene                                              aufgebahrt in einer Leichenhalle bei Culiacán.
Kapelle in Culiacán